Südlich der Linzer Innenstadt soll in Form einer typisch nationalsozialistischen Achsenstraße das neue europäische Kulturzentrum entstehen, das bei einer Gesamtlänge von etwa 1100 Metern in drei Abschnitte gegliedert ist. Der im Folgenden beschriebene Entwurf Hermann Gieslers hält sich im Wesentlichen an das vorgegebene Konzept des Reichsbaurates Roderich Fick. Abgesehen vom Entwurf für das Schauspielhaus beschränkt sich Gieslers Beitrag vorwiegend auf die Neugestaltung der Fassaden für fast alle Gebäude. Das Grundkonzept für die Linzer Achse erarbeitet Roderich Fick nach Skizzen des Führers.


Das Herzstück des Opernplatzes und gleichzeitig repräsentativster und mit kostbaren Materialien ausgebildeter Bau bildet das vom Berliner Architekten Paul Baumgarten entworfene Opernhaus für 2000 Besucher. Ihm gilt nach den Angaben von Albert Speer das größte Augenmerk des Diktators. Die vielen dazu von Adolf Hitler dem Architekten vorgegebenen Skizzen, von denen einige schon auf die Zwanzigerjahre zurückgehen, zeigen bereits eine leicht geschwungene Eingangsfront, die achsial zur Prachtstraße ausgerichtet mit achtzehn Meter hohen und 180 Zentimeter dicken kannelierten Steinsäulen geschmückt ist.

Westlich schließt den Platz das Führermuseum ab, das als Gegenstück zu den Florentiner Uffizien gedacht ist. Für die Beschaffung von Kunstwerken wird ein eigener "Sonderauftrag Linz" eingerichtet. Hier sollen künftig die von Hitler erworbenen und die tausende, von den Nazis in ganz Europa meist aus jüdischem Besitz beschlagnahmten und geplünderten Gemälde den Grundstock für eine der größten Gemälde- und Kunstgalerien der Welt für so genannte "Germanischen Klassik" bilden. Der vom Architekten Roderich Fick entworfene Bau erhält später von Hermann Giesler eine neue Platzfassade.
Die östliche Platzfront entwirft der Münchner Architekt Leonhard Gall mit dem eine Million Bücher fassenden Bibliotheksbau, der auf Weisung des Führers mit einem großen Vortragssaal und einem Lesesaal ähnlich der Wiener Urania ausgestattet werden soll.
Nach dem Vorbild von Bayreuth wiederum will Adolf Hitler zu Ehren des von ihm bewunderten Linzer Komponisten Anton Bruckner jährlich Festspiele veranstalten. Westlich der Oper sollen dazu auf dem neuen Brucknerplatz ein Denkmal und ein eigenes Konzerthaus gebaut werden, für das bereits ein Brucknerorchester und ein Brucknerchor gegründet sind.
Die Bebauung am Opernplatz bereichert man noch durch großzügige Bauten für ein Operettenhaus, ein Künstlerhaus mit Freiausstellungsgelände, ein Uraufführungskino der Ufa und andere. Der Verkehr der Achsenstraße wird östlich des Opernhauses durch einen Triumphbogen in die Innere Ringstraße übergeleitet.
Die entscheidende stadtbaukünstlerische Wirkung aber soll von der sechzig Meter breiten Prachtstraße "In den Lauben" ausgehen. Nach von Hitler vorgegebenen Skizzen und Wünschen wird sie in einer Länge von etwa 800 Metern mit beiderseitig überdeckten, zehn Meter breiten Laubengängen "elegantest und vornehm" ausgestattet. In den begrenzenden, zwölf fünfgeschossigen Baublöcken mit Abmessungen von etwa 120 mal 72 Metern sind in den überhöhten und meist mit Zwischengeschossen ausgebildeten Erdgeschossen größtenteils Geschäfte und in den oberen Etagen Büros und noble Wohnungen vorgesehen. Außerdem nehmen die Blöcke am Opernplatz auch ein Operncaferestaurant, ein Künstlercafe sowie Kinos, ein Variete', ein Restaurant mit Sitzgarten, eine Markthalle und ein naturwissenschaftliches und volkskundliches Museum und anderes mehr auf. auf. Eine Vorstellung von den uniform gestalteten Baublöcken der Prachtstraße geben die kolorierten Fassadenzeichnungen Hermann Gieslers. Die Erdgeschosse werden von den steinernen Arkaden der Laubengänge bestimmt. Die Fenster der darüber liegenden, drei ruhig wirkenden, geputzten Wohngeschosse sind mit Steingewänden eingefasst und die Baukörper nach oben mit einer mächtigen Steinattika abgeschlossen. Die zurückgesetzten Dachaufbauten sollen wie die Dächer der anderen Prachtbauten zur Gänze mit Kupferblech verkleidet werden. Linzer Schauspielhaus

Die Achsenstraße wird in ihrer Mitte durch eine Querachse gegliedert. Auf ihr ausgerichtet akzentuieren das neue, von Hitler zusammen mit Giesler entworfene, reich dekorierte und mit der pathetischen Aufschrift "Dem deutschen Schauspiel" versehene Schauspielhaus und ein gegenüberliegender, kleiner Pavillon die Monumentalfronten. Von den beiden Gebäuden ist auch die unter der Achsenstraße liegende U-Bahnstation zugänglich.
Seitlich dieses Pavillons führen zwei Pforten in den Volkspark, der die Prachtstraße in ihrer gesamten Länge begleitend ebenfalls streng an der Querachse orientiert ist. Den ebenen Teil dieses Riesenparks mit einem Ausmaß von rund 300.000 m2 nimmt in der Mitte eine Rondeauanlage mit sternförmig ausstrahlenden Promenaden ein, die an den angrenzenden Hängen der Sophienguthöhe ähnlich der Schönbrunner Gloriettenanlage zu einer Orangerie auslaufen.
Ihr Ende findet die Achsenstraße im Verkehrsplatz mit dem dominierenden Neubau für den Hauptbahnhof und zwei den Platz begrenzenden monumentalen Repräsentationsbauten für die Reichsbahn- und die Reichspostdirektion. Linzer Bahnhof Linzer Achse /

Der Entwurf für den Personenbahnhof vom Planungsbüro der Reichsbahn sieht einen Durchgangsbahnhof mit 16 Gleisen auf 150 Meter Breite vor. Das zur Achsenstraße hin ausgerichtete Hauptempfangsgebäude ist mit dem Nebenempfangsgebäude auf der Südseite der Gleisanlagen unterirdisch verbunden. Die Bahnanlagen sollen cirka sechs Meter über dem angrenzenden Stadtniveau liegen, um nicht als Barriere für den darunter fließenden Stadtverkehr zu wirken, während die Bahnsteige von einer 36 Meter hohen Glas-Stahlhalle überspannt werden. Unter dem Gebäude hindurch soll, in zwei Straßen aufgegabelt, die Autobahn führen, deren Zubringer von Süden kommend in der Prachtstraße endet. Noch 1945 zeichnet Architekt Giesler an neuen Fassaden für diese Anlage.
Neben den oben beschriebenen Hauptzentren, die der Stadt das Flair der neuen Kulturmetropole vermitteln, schließen die Maßnahmen die Schaffung und repräsentative Neugestaltung vieler anderer Plätze und ganzer Straßenzüge ein, wobei auch der Renovierung der Altstadt großes Augenmerk geschenkt wird.
Mit einem flächenmäßig bedeutenden Anteil prägen die neuen, zum Teil fertig gestellten Hafen- und Industrie- sowie die militärischen Anlagen den weit über die ursprünglichen Grenzen hinausgreifenden Stadtgrundriss. Ein großzügiges Wohnbauprogramm mit fast 11000 bis Kriegsende fertig gestellten Wohnungen, die neue Verkehrsplanung und die vielen, für eine künftige Metropole notwendigen städtischen Einrichtungen wie Krankenhäuser, Friedhöfe, Fernheizwerke...und anderes mehr, werden neu konzipiert oder planlich den künftigen Bedürfnissen angepasst, um nach dem Krieg gebaut zu werden.
All die hochfliegenden Pläne und Träume von "Hitlers Linz" finden ein jähes Ende im Bombenhagel des letzten Kriegsjahres. Geblieben sind von Adolf Hitlers verordnetem, uniformen Stadttraum(a) einer europäischen Kunst- und Kulturmetropole neben dem unsagbaren Leid der Bevölkerung und der völlig zerstörten Stadt nur die vergilbten Pläne und Modelle nationalsozialistischer Architektur, die ihr bekanntester Architekt, Albert Speer, später als "Spiel mit Bauklötzen" abwertet.
Hitlers Linz - Planungsstellen und Planungskonzepte
Hitlers Linz - Ein ideologisches Verwaltungs- und Freizeitzentrum an der Donau