Wegscheids Heimatkundeverein — eine Episode

Heimatkunde

Ich war etwa vierzehn Jahre alt, als mich mein fünf Jahre älterer Bruder zur Gründungs­versammlung des Vereins Heimatkunde e.V. Anfang der 70er Jahre mitnahm. Ich war das mit Abstand jüngste Mitglied. Es ist gar nicht so selbstverständlich, dass ein Jugendlicher in einer Runde Erwachsener willkommen geheißen und ernst genommen wird.

Das war bereits ein erstes Anliegen der Gründer. Es sollte vor allem bei Jugendlichen Interesse für die Heimat und ihre Geschichte geweckt werden, um Nachwuchs für die Heimatforschung zu fördern. Erinnern kann ich mich an Herrn German Weinberger, den Gastgeber der Gründungsversammlung, Herrn Franz Wurm, Herrn Josef Stockinger, Herrn Johann Fenzl. Ich war sehr beeindruckt. Das hörte sich alles sehr spannend an. Mich hatten wohl besonders die Ernsthaftigkeit, das Engagement und der fachliche Austausch der Heimatforscher am Tisch beeindruckt. Von Heimatforschung selbst hatte ich ja bis dahin keine Ahnung. Aber die Sorge der Gründer, dass vor allem Klein- und Flurdenkmale zunehmend verschwanden, wie auch Bestände der ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogenen Archive weiter ausgedünnt wurden, dass viel Wissen und oft über Generationen mündlich weitergegebene Geschichten verloren gingen, die Sorge darüber also, leuchtete mir ein.

Ich bin kein Heimatforscher geworden. Dazu braucht es nicht nur die entsprechende Ausbildung, es braucht auch Leidenschaft, scheinbar unbedeutenden Zeugnissen der näheren Umgebung mit großer Aufmerksamkeit, Geduld und Ausdauer nachzugehen, sie zu sichern und in ein größeres Bild einzufügen. Ihre Arbeit ist wichtig, insbesondere für Wegscheid, da hier wie schon erwähnt die Quellenlage historischer Dokumente denkbar schlecht ist. Was ich mit den Wegscheider Heimatforschern teile ist die Verbundenheit zu Wegscheid und der Landschaft in die der Markt eingebettet ist.

Wenn Heimatforscher zu dieser Webseite etwas beitragen wollen, so wäre das fein und sehr willkommen. Vor allem hoffe ich auf kritische Begleitung, denn es kommt immer und überall vor, dass Fehler gemacht werden. Fehler sind ein Hinweis darauf, dass etwas fehlt. Da wäre es ein glücklicher Umstand, wenn die, die es besser wissen, das ergänzen könnten oder verbessern.

Der Verein Heimatkunde e.V. - um das abzuschließen - hat sich vor vielen Jahren aufgelöst. Johann Fenzl, Josef Stockinger und mein Bruder sind schon lange tot. Aus dieser Runde wirkte einzig German Weinberger als Heimatforscher noch aktiv und sehr verdienstvoll, was seine einschlägigen Publikationen bezeugen.

German Weinberger ist im Dezember 2021 gestorben. Zuletzt hatte er noch zum Thema geforscht: „Der Schwarze Tod im Gericht Wegscheid”. Mit ihm starb der letzte verdienstvolle Heimatforscher in Wegscheid.

Das Archiv des Heimatkundevereins e.V., um auch das abschließend noch zu erwähnen, erfuhr dasselbe Schicksal wie vieles aus Archiven in Wegscheid, es ist verschwunden.

Hinweis:

Der heimatkundliche Nachlass von Josef Stockinger, über 2.700 Bücher, Zeitschriften und Dokumente, wird seit seinem Tod 2014 in einem nach ihm benannten Archiv in der Schule von Röhrnbach verwahrt und ist dort zugänglich. Sämtliche Objekte wurden in einer Excel Datei als Katalog erfasst, der über die Webseite der Schule abgerufen werden kann. Dank der Initiative seiner Tochter Susanne und der Schulleitung Röhrnbach ist dieser Nachlass für die heimatkundliche Forschung erhalten und zugänglich geblieben.

 


Die Abbildung entstammt: Weinberger, German (2015):Wegscheid am Goldenen Steig. In: Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes, Heft 9, S. 22.

 

Heimatkundliche Literatur zu Wegscheid

Weinberger, German (2012). Sagen und Geschichten um das Samritanhaus in Wegscheid. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 1, 3. erg. Aufl.

Weinberger, German (2004). Im Herbst. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes.­ Heft 2.

Weinberger, German (2012). Das Samritanhaus Teil 3. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 3, 3. Aufl.

Weinberger, German (2012). Sagen und Geschichten um das Samritanhaus in Wegscheid. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 4, 3. erg. Aufl.

Weinberger, German (2015). Die Geschichte der Goldhaube in Wegscheid. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 5, 2. erg. Aufl.

Weinberger, German (2009). Der Juliputsch 1934. Wegscheid – Kollerschlag. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 6.

Weinberger, German (2014). Geistliche aus der Pfarrei St. Johannes d.T. Wegscheid. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 8.

Weinberger, German (2015). Wegscheid am Goldenen Steig. Heimatkundliche Beiträge zur Geschichte des Wegscheider Landes. Heft 9.

Das Pfleggericht Wegscheid. In: Historischer Atlas von Bayern, Altbayern, Reihe 1, Heft 35: Passau, Kapitel 5. URL= https://geschichte.digitale-sammlungen.de/hab/seite/bsb00007670_00276 [Abgerufen am 26.11.2018]

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