Wegscheid schließt

Wegscheid verliert an Attraktivität und Lebensqualität

Geschaftsschließungen Leerstand Nahversorger

Im Oktober 2025 ist bekannt geworden, dass die letzte Metzgerei im Ortsgebiet zum Jahresende schließen wird und ebenso der Nahversorger EDEKA Brückl, gegenüber dem Altersheim. Damit gibt es im Ort keinen Nachversorger mehr. Wer sich mit Lebensmittel und Gütern des täglichen Bedarfs versorgen will, braucht dazu ein Auto. Denn zu den Einkaufsmärkten, die im Südwesten vor dem Ortsgebiet angesiedelt sind, führt kein Bürgersteig - den Discounter Norma ausgenommen, der über die Bahnhofstraße gerade noch erreichbar ist. Für ältere Menschen ist das nicht zu leisten.

Ebenfalls schließt mit EDEKA Brückl die Postfiliale in der Dreisesselstraße. Derzeit gibt es keine Informationen darüber, wohin der Post-Shop übersiedeln wird. Stand: Nov. 2025

Die Metzgerei Escherich, direkt am Marktplatz, gibt es seit 2022 nicht mehr. Zuvor schon hatte die Bäckerei Escherich geschlossen, davor das Kaufhaus Kössler. Seit Jahren schließt ein Geschäft nach dem anderen. Damit schwindet auch das Angebot für den täglichen Lebensbedarf im Markt. Nun gibt es keines mehr.

Mit Ausnahme eines Architekturbüros, das in die früheren Geschäftsräume des Elektrogeschäfts Friedrich am Marktplatz eingezogen ist, hinterlässt das Geschäftssterben vor allem Leerstand. Dass die Zeit Veränderungen mit sich bringt, ist unbestritten. In Wegscheid geht es aber nicht um Veränderung, sondern um Verlust, denn auf Altes folgt nicht annähernd gleichwertiges Neues. Mag sein, dass Online Shopping benötigte Waren bequem direkt ins Haus liefert, künftig womöglich Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. Wozu aber braucht es dann noch ein Ortszentrum?

Wegscheid - Geplante Einkaufszentren außerhalb Ortsgebiets

Nun bekommt Wegscheid ein weiteres Einkaufszentrum, eine „Einkaufsmeile”, wie das die PNP am 3.8.2023 formulierte, im Anschluss an den Netto-Markt, gegenüber von Edeka-Buchbauer. Dort sollen unter anderem Aldi und dm unterkommen. Dabei sind solche vorgelagerten Einkaufsmeilen mit großflächiger Versiegelung schon längst überholt - nicht in Wegscheid.

Damit wird eine Wiederbelebung der Marktstraße nochmals enorm erschwert. Es scheint, als sei der Gemeinderat völlig einfallslos und unmotiviert, kreative und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zur Wiederbelebung des Ortskerns zu entwickeln und zu realisieren.

Die Vielfalt der Geschäfte – früher – machte den Markt Wegscheid attraktiv. liebenswürdig und lebenswert. Man bummelte durch den Markt, schaute sich die Schaufenster und Auslagen an, sah sich Obst und Gemüse an, die vor den Lebensmittelmärkten auf Stellagen ausgestellt wurden, säuberlich geordnet, appetitlich. Es gab einen Uhrmacher, Friseure, eine Drogerie, zeitweise drei Schreibwarenhandlungen, Gemischtwarenhandlungen, Bäckereien und vieles andere mehr. Davon ist – heute – so gut wie nichts geblieben und nichts auch nur annähernd Gleichwertiges ist nachgekommen.

Ein abendlicher oder sonntäglicher Bummel durch den Markt ist trist, sehr trist. Touristen, die sich nach Wegscheid verlaufen wird eine Marktstraße im Niedergang geboten. Aber das will man im Urlaub eigentlich nicht sehen, denn das gibt es, besonders im Osten der Republik, bereits vielfach.

Und was machen Bürgermeister und Gemeinderät:innen? Diese Entwicklung ist großteils hausgemacht. Dass der Nahversorger im Ort schließt ist wohl eine Folge des geplanten großen Einkaufszentrums. Das hätte nie genehmigt werden dürfen, der Gemeinderat hätte keine Änderung der Flächennutzung und des Bebauungsplans beschließen dürfen. Es war absehbar, dass das Konsequenzen hat.


Lesen Sie dazu die Presseberichterstattung der PNP

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