Hoch ging es her, besonders im Sommer und den Ferien bei der Kohlbauerkapelle: Sämtliche Kinder der Siedlung trafen sich hier zum Baumkraxeln und Spielen. Mein Opa hatte einmal zweiunddreißig Kinder und Jugendliche gezählt. Das war wohl aber doch die Ausnahme. Ich erinnere mich, dass wir zumeist so um die fünfzehn Kinder waren. In den ersten Jahren war die Mühlgasse noch nicht einmal geteert und hieß noch Obere und Untere Mühlgasse. Es waren unbeschwerte Nachmittage, später auch frühe Abende unter den Linden. Es gab wenig Autoverkehr und die Straße gehörte praktisch uns. Völkerball auf der Straße war angesagt, Himmel und Hölle Spielen ebenso. Dazu wurden Fahrräder vorgeführt, Fangen gespielt, manchmal auch gerauft - was Kinder so machen.

Dabei gab es bis Mitte der 50er Jahre südlich der Mühlgasse nach dem Haus von A. noch kein einziges Haus. Dann baute Familie Schw. direkt gegenüber der Kohlbauerkapelle, dann Doktor E. mit seiner Landarztpraxis, die Familie L., Frau R. und schließlich Familie F.
Und weil ich schon bei den abgekürzten Familiennamen bin, hier ein kleiner Auszug der Kinder, mit denen ich selbst als Kind bei der Kohlbauerkapelle spielte: Manuela und Anita G., Edith A., Antje und Jörg L., Gisela und Hannelore N., Wolfgang R., Conrad und Norbert L., Bernhard und Elisabeth B., Susanne und Sabine Z., Hermann, Stefan und Friedel S., Thomas, Stefan, Monika und Velicitas S., Manfred W., Michaela S., Gudrun und Gerald E., Rosmarie M., Monika, Werner, Gerlinde und Marion M., Michaele S., Manfred F., … Dann gab es immer wieder auch Kinder, die ich gar nicht kannte, was aber überhaupt keine Rolle spielte. Die ein wenig älteren Mädchen kamen im Laufe der Zeit dann nicht mehr so häufig, schließlich gar nicht mehr, dann dasselbe bei den älter werdenden Buben.
Es kamen immer wieder Junge nach, schließlich war das die Baby Boomer Generation. Diese Zeiten sind vorbei, es spielen kaum mehr Kinder hier. Einige Spaziergänger oder Wanderer machen noch Rast auf der Bank vor der Kapelle. Mittlerweile gibt es in der Nachbarschaft wieder kleine Kinder und Jugendliche. Aber die schon lange breit ausgebaute Mühlgasse, die eigentlich eine Straße geworden ist, ist viel befahren und kaum jemand hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Auf der Straße Völkerball spielen würde nicht mehr möglich sein, weil man alle Augenblicke zur Seite springen müsste. Auch die niederen Äste der Linden wurden teilweise im Laufe der Zeit abgesägt und ohne den Holzzaun, der die Kapelle bis Ende der 80er Jahre umgab, ist es aussichtslos, dass Kinder in die Kronen der Bäume steigen können.
Es bleibt eine lebendige Erinnerung an ein lebhaftes Treiben von vielen Kindern und Jugendlichen im Schatten der Linden der Kohlbauerkapelle.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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