Überlegungen und Einsichten aus meiner Lehrtätigkeit
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MediaWiki - Immer wieder eine Herausforderung

Permalink 27.04.11 11:31, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning, Neue Medien , Schlagworte: asynchrone kommunikation, kollaboration, mediawiki

Nahezu alle Studierenden nutzen Wikipedia als Informationsplattform. Dennoch ist MediaWiki, das Wikisystem von Wikipedia, unter ihnen immer noch weitgehend unbekannt. Diesen Eindruck gewann ich in den letzten Jahren, seit ich MediaWiki in meinen Lehrveranstaltungen nutze. Und daran hat sich kaum etwas geändert. Wer Wikipedia ausschließlich als Nachschlagewerk benutzt und — sei es auch nur der Neugierde halber — nie in den Bearbeitunsmodus wechselte, oder sich an Diskussionen zu einem Thema beteiligte, kam mit Kernfunktionen des MediaWiki auch nicht wirklich in Berührung.

MediaWikiWikipedia und MediaWiki

MediaWiki kommt für manche Studierende — durchaus nachvollziehbar — etwas zu „old-fashioned” daher, nicht nur was den ersten optischen Eindruck des Template anbelangt. Ein Eindruck, der sich bei vielen spätestens dann erhärtet, wenn sie erstmals einen Beitrag edieren oder neu verfassen: Es fehlt ihnen die komfortable Umgebung eines WYSIWYG Editors, der einem das Gefühl vermittelt, man wäre in der alt gewohnten Microsoft Umgebung. Zwar könnte man einen entsprechenden Editor als Extension ‘nachrüsten’, aber Wikipedia macht deutlich: Es ist offenbar nicht grundlos, dass die Formatierungen weitgehend ‘händisch’ gesetzt werden sollen. Darüber hinaus belegt Wikipedia, dass dieses von einzelnen als nahezu unüberwindliches Handicap erlebte Fehlen einer komfortablen Eingabe Millionen nicht daran gehindert hat, ihr Wissen in Wikipedia einzutragen.

Es ist sehr unterschiedlich, wie sich Studierende letztlich auf MediaWiki einlassen. In diesem Sommersemester überraschten mich Studierende mit einer bisher nicht, bzw. nicht so ausgeprägten Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen und damit zu arbeiten. Das hat mich schon beeindruckt. Und viele hatten den ‘Dreh’ sehr schnell heraus, entdeckten, dass sich gerade für sie als berufsbegleitende Studierende das Wiki hervorragend zur Zusammenarbeit eignet — auch wenn es im Rahmen der Lehrveranstaltung „Internet & Marketing” nicht primär darum geht, Wiki als kollaboratives Instrument eines Knowledgebase-Managements zu erarbeiten und zu optimieren. Es geht zunächst darum, zu erkennen und zu erleben, dass ein Wiki ein geeignetes Instrument ist, um einerseits asynchron an einem gemeinsamen Ergebnis zu arbeiten und das effektiv und effizient und andererseits das erarbeitete Wissen samt Historie zu sichern. Ein wichtiger Einstieg.

Auswertung und Bewertung kollaborativen Arbeitens im MediaWiki

Gar nicht so einfach ist es, kollaboratives Arbeiten im MediaWiki so zu beurteilen, dass Noten für Studierende nachvollziehbar sind. Selbstverständlich lässt sich über die Funktion Benutzerbeiträge aus „Spezialseiten” ein erster Eindruck gewinnen. Auch kann über die Versionsgeschichte einzelner Seiten ermittelt werden, wer wie viel dazu beigetragen hat. Das wird alles aber spätestens dann sehr aufwändig und zeitintensiv, wenn zahlreiche Seiten angelegt wurden, häufig Seiten editiert und gespeichert wurden und der Beurteilungszeitraum etliche Wochen umfasst. Da wird der Aufwand, der notwendig ist, um zu einer transparenten, nachprüfbaren Note zu kommen, bald unverhältnismäßig.
Durch entsprechende Routinen könnte die MySQL Datenbank entsprechend abgefragt werden, oder die Datenbank beispielsweise mit Hilfe von Tableau Public grafisch analysiert werden. Das führt auch zu übersichtlicheren Ergebnissen. Dennoch bilden diese Auswertung nur Aktivität ab, nicht jedoch kollaboratives Engagement.
Im vergangenen Semester bin ich nach einigen Recherchen auf WikLog gestoßen. Die Arbeitsweise von WikLog können Sie genauer im Beitrag von Gökhan Akcapinar und Petek Askar von der Haceteppe Universität in Ancara (Dept. of Computer Education and Instructional Technologies) nachlesen: “Measuring Author Contributions to the MediaWiki“. Die Semesterleistung einer Master Lehrveranstaltung hat dankenswerterweise Gökhan Akcapinar für mich ausgewertet. Dabei gab es überraschende Ergebnisse. So zeigte sich, dass bei einer Gruppenauswertung einzelne engagierte Studierende bei gleichzeitiger fehlender Beteiligung der anderen Gruppenmitglieder ebenfalls „schlecht” abschneiden – was durchaus nachvollziehbar ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer nachtraglichen Gewichtung. Das Phänomen ist aus Gruppen mit höherem Anteil an „TrittbrettfahrerInnen” bekannt. Im Wiki können diese bezogen auf die Gruppenarbeiten jedoch eindeutig identifiziert werden, was die Gruppenarbeit für den Lehrenden deutlich transparenter und nachvollziehbar macht.

Derzeit nutzen wir MediaWiki 1.15.5, PHP 5.3.2-1ubuntu4.7, MySQL 5.1.41-3ubuntu12.10. Der Zugang ist durch Verzeichnisschutz geschützt. Folgende Extensions sind installiert: Wikilog (Version 1.1.0), Cite (Version r37577), YouTube, WlFeed (Version 1.1.0).

2 Kommentare

Kommentar von: NKöpff [Besucher]
NKöpffDer Beitrag zeigt sehr schön, dass "neue Medien" zwar viel Potential bergen; jedoch wie man das Potential für jeden einzelnen konstruktiv nutzen und bewertbar machen kann, das bleibt die wesentliche Herausforderung. Langfristig scheint wohl der Ansatz eines "Studien-Portfolios" (vgl. u.a. Stratmann, Preußler& Kerres, 2009), der vielversprechendste zu sein. Sie schreiben, dass Studierende Probleme haben sich mit dem rudimentären Charakter von MediaWiki zurechtzufinden; dazu noch ein kleiner Hinweis. Das kostenlose Open Source System BlueSpice for MediaWiki macht die Bedienbarkeit wesentlich einfacher, sieht besser aus und enthält zusätzliche Funktionen. Es wird einfach auf MediaWiki "draufgesetzt". Wenn Sie möchten schauen und testen Sie doch mal in der Online-Demo.
12.05.11 @ 13:37
Kommentar von: Conrad Lienhardt [Mitglied] E-Mail
@NKöpf Vielen Dank für Ihren Kommentar und den BlueSpice Tipp. Sehr aufschlussreich war auch der Hinweis auf den Beitrag von Stratmann, Preussler und Kerres, von wo ich weiter auf das Themenheft zu „Neue Medien und individuelle Leistungsdarstellung – Möglichkeiten und Grenzen von ePortfolios und eAssessments” aufmerksam wurde. Da finde ich mich gut wieder und freue mich über die weiteren Impluse.
12.05.11 @ 21:17

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