Überlegungen und Einsichten aus meiner Lehrtätigkeit

"Net Generation" an unseren Hochschulen?

Permalink 04.01.12 15:26, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning, Medienpädagogik , Schlagworte: medienkompetenz, mediennutzung, net generation, web 2.0

Die Fachhochschule Vorarlberg (Frank Weber, Brigitte Mayer) hat im vergangenen Wintersemester im Rahmen einer Umfrage Ausstattung und Internetnutzung bei Erstsemestrigen untersucht und dabei folgende Einsichten gewonnen:

Der überwiegende Teil der Erstsemestrigen der FH Vorarlberg hat einen Laptop und geht breitbandig ins Internet. Viele nutzen populäre Internet-Anwendungen wie Wikipedia, YouTube und Facebook und können somit durchaus als medien- bzw. internetaffin charakterisiert werden. Eine Tendenz zur steigenden Nutzung von mobilen internetfähigen Geräten zeichnet sich ebenfalls ab.

Aufschlussreich ist Folgendes:

Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass eine pauschale Zuordnung zur „Net Generation“ dennoch nicht haltbar ist. Bei einer großen Anzahl von Web2.0 - Anwendungen liegt die Nicht- bzw. sporadische Nutzung weit über der regelmässigen bzw. häufigen und die passive weit über der aktiven Nutzung. Zudem heisst medienaffin nicht automatisch medienkompetent (vgl. Haug 2009, S. 1), und die geringe Bekanntheit von Diensten, welche für die Organisation des persönlichen Wissens grossen Nutzen entfalten können zeigt, dass die für ein Studium nötige Medien- bzw. Informationskompetenz nicht vorausgesetzt werden kann, sondern vielmehr im Studium erworben werden muss [Hervorhebung durch Autor] – umso mehr als die Medienkompetenz laut einer von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studie zu den Schlüsselkompetenzen zählt (vgl. Redecker 2009, S. 140).


Insofern bestätigen die Ergebnisse die teilweise heftig geführte Kritik am Konzept der “Net Generation", ein Konzept, das Rudolf Schulmeister veranlasste, von „Mystifizierung” einer ganzen Generation zu sprechen.
→ [Vgl. Blogpost: Generation Net — In Sachen Medienkompetenz überschätzt?]

Eine lesenswerte Studie → Download (deep link, FH-Vorarlberg)

Weber, Frank; Mayer, Brigitte (2010): „Erstsemestrige – Teil der „Net Generation“?“ In: Künz, Andreas; Dontschewa, Miglena (Hrsg.): Eintauchen in Medienwelten. Zusammenfassung der Beiträge zum Usability Day VIII. Pabst Science Publishers (= uDay VIII).

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Die zwei Seiten von PowerPoint Slides

Permalink 28.12.11 12:58, von Conrad Lienhardt, Kategorien: Medienpädagogik , Schlagworte: lernblog, lernmaterialen

Sie sind aus Vorträgen, Vorlesungen und Präsentation kaum mehr wegzudenken: PowerPoint Slides. Sie gehören schon so selbstverständlich dazu, dass vielfach die Sinnhaftigkeit ihres Einsatzes nicht mehr hinterfragt wird. Dass PowerPoint Slides Vorträge und Präsentation ebenso unterstützen können wie Lernprozesse, ist vielfach nachgewiesen (vgl.: Nouri, H. 2005) — auch wenn ein Mehr an Animation bei solchen Präsentationen nicht zu einer Steigerung der Effektivität führt, sondern sich eher kontraproduktiv auswirkt (vgl: Sidman, Cara L. 2007; Mahar, St. 2009).

PowerPoint Slides werden jedoch nicht nur zur Unterstützung des Vortrags genutzt, sondern werden vielfach als grundlegende Lernmaterialien zur Verfügung gestellt - nicht selten ausschließlich. Und das halte ich für außerordentlich problematisch.

Viele Studierende lieben diese Unterlagen, die sich so kompakt ausdrucken lassen. Es sind quasi Stenogramme der Lehrveranstaltung, Stich- und Schlagwort-sammlungen mit anschaulichen Visualisierungen. Ein vermeintlich überschaubarer Lernstoff. Kommt nun noch hinzu, dass nicht Wissen geprüft wird, sondern die Inhalte der ausgegebenen Foliensätze, werden diese Unterlagen nahezu zur ausschließlichen Lerngrundlage. Da nimmt es dann kein Wunder, wenn Studierende bei Prüfungen überfordert sind, sofern sich die Fragen nicht genau auf diese Folien in all Ihrer Verkürzung und Verknappung von Wissen beziehen.

Wer einwendet, dass die eigenen Folien viel umfangreicher seien und einem Skript nahe kämen, muss sich den Kommentar gefallen lassen, er verwende PowerPoint nicht mediengerecht. Wer umgekehrt von studentischer Seite einwendet, es würden die jeweiligen Folien ausgiebig kommentiert und mit Notizen angereichert, macht sich selbst etwas vor, wenn damit behauptet werden soll, dies reiche dann als Lerngrundlage aus. Denn im Regelfall ist selbst eine Vorlesung eine prägnante Darstellung und Vermittlung von Wissen, das der weiteren Erschließung durch Fachliteratur bedarf.

Ich bin daher seit etlichen Semestern sehr zurückhaltend, was die Aushändigung der PowerPoint Dateien anbelangt. Derzeit binde ich diese in Ansichten des e-Portfoliosystems ein (Mahara), mit dem wir in diesem Semester erstmalig arbeiten. Hier stehen die Slides neben der Literaturliste, Tools und weiteren eingebetteten Medien wie Videocasts und zahlreichen Hyperlinks zu vertiefenden und erweiterenden Seiten außerhalb und innerhalb des e-Portfolio. Damit wird deutlich, dass die PowerPoint Folien eben nur einen Teil der Unterlagen bilden — und damit letztlich auch nur einen Teil des Prüfungsstoffes.

Deutlich wichtiger schätze ich das Lernblog ein, in welchem nicht nur die Lehrveranstaltungen und der eigene Lernprozess reflektiert werden sollen, sondern auch die Plichtlektüre. Doch das Lernblog erfreut sich keiner besonderen Beliebtheit. Im Unterschied zum Folien-Konsum und einem klar umrissenen Stoff zum Pauken erfordert das Lernblog kontinuierliche Anstrengungen. Zweifelsohne wäre der Lernerfolg durch eine effektive Nutzung des Lernblog deutlich größer, aber eben auch die zeitliche Anforderung.
Und damit ist wohl - insbesondere für berufsbegleitend Studierende - ein, wenn nicht der zentrale Punkt angesprochen. Foliensätze als weitgehend ausschließliche Lerngrundlage kommen einer Haltung der Aufwandsminimierung entgegen, d.h. unterstützen in gewisser Weise die Selbsttäuschung, dass sich mit der Kenntnis von Foliensätzen das erforderliche Wissen zu einer Lehrveranstaltung ausreichend aneignen ließe. Da neige ich dazu, diese Selbsttäuschung zu enttäuschen. Das ist unbequem, pädagogisch aber redlich und geboten.


Mahar, Stephen; Yaylacicegi, Ulku; Janicki, Thomas (2009): „The dark side of custom animation“. In: International Journal of Innovation and Learning. 6 (6), S. 581 - 592.

Nouri, Houssein; Shahid, Abdus (2005): „The Effect of PowerPoint Presentations on Student Learning“. In: Global Perspectives on Accounting Education, 2 (2005), S. 53-73.

Sidman, Cara L.; Jones, Dianne (2007): „Addressing Students’ Learning Styles through Skeletal PowerPoint Slides: A Case Study“. In: MERLOT Journal of Online Learning and Teaching. 3 (2007/4).

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Wenn die Akademiker-Quote (Aus-)Bildung dominiert

Permalink 04.11.11 10:57, von Conrad Lienhardt, Kategorien: Bildungspolitik , Schlagworte: akademikerquote, bildungspolitik

Im September hat die Statistik Austria euphorisch konstatiert: „Akademikerzahl im Zehnjahresabstand um 50% erhöht“. Etwas anders sieht es Der Standard mit Bezug auf eine aktuelle OECD Studie: „Trotz leicht steigender Akademikerquote fällt Österreich zurück. 19 Prozent Hochschulabsolventen in Österreich - OECD-Durchschnitt liegt bei 30 Prozent - Bildungsausgaben insgesamt stark gesunken.” Angesichts der Entwicklung der Akademikerarbeitslosigkeit - sie hat sich lt. AMS von 2,6% im vergangenen Jahr auf 6,9% (Bezug: Arbeitslose in Österreich) heftig entwickelt und liegt deutlich über dem Österreich Durchschnitt - fragt sich, wozu die Akademikerquote weiter steigern, wenn es in Österreich offenbar für Akademiker nicht ausreichend angemessene Arbeitsplätze gibt. (Dazu: „Saugut und trotzdem arbeitslos – Wenn Qualifikation nichts mehr wert ist!

Grundsätzlicher stellt sich die Frage, ob diese Diskussion rund um eine Akademikerquote die wichtigere Frage nach Bildung nicht zu sehr verdrängt.

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Informelles Lernen im Fokus meiner Lehrveranstaltung

Permalink 24.09.11 11:37, von Conrad Lienhardt, Kategorien: dies & das, Medienpädagogik , Schlagworte: emare13i, formelles lernen, informelles lernen

Lernen und Lehren befinden sich im Umbruch. Das Internet und hier speziell das Web 2.0 haben nicht nur dazu geführt, dass neue Instrumente für Didaktik und Pädogogik zur Verfügung stehen, die Lehren und Lernen über weite Strecken effektiver und effizienter gestalten. Sie haben vor allem in ungeahntem Ausmaß Wissensressourcen erschlossen. Doch nicht nur dies. Dieses Wissen wird vielfach über und mit Verweis auf Erfahrungen im Social Web geteilt - unabhängig von Zeit und Regionalität. Informelles Lernen wird so neben formellem Lernen immer wichtiger.

Seit Beginn meiner Lehrtätigkeit als Lektor bemühe ich mich, nicht nur die Inhalte aktuell zu halten und zu verdichten, sondern vor allem auch darum, diese Inhalte entsprechend zu vermitteln. Zuletzt hatte ich einige Aspekte informellen Lernen in meine Lehrveranstaltungen einbezogen, mit diesem Wintersemester lege ich darauf meinen Entwicklungsschwerpunkt.

Jay Cross hat in seinem Video das Thema ganz gut auf den Punkt gebracht:


Ich werde hier über meine Vortschritte weiter berichten, und über die Herausforderungen, die auf mich zukommen werden, wenn es gilt im klassischen Lehrbetrieb mit seinen Erfordernissen formaler Beurteilungen informelles Lernen zu integrieren.

Natürlich bin ich dabei über jeden Hinweis und Kommentar dankbar.

Auf Twitter werde ich dazu das Hashtag #ILEMARE (@mircoooo) verwenden.

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Blended Learning - ein zentraler Wettbewerbsfaktor bei Bildungsanbietern

Permalink 19.08.11 13:31, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning , Schlagworte: blended learning, e-learning

Dass E-Learning für den Bildungsbetrieb immer wichtiger wird, zeichnet sich schon seit einigen Jahren ab. Für Blended Learning, wo einerseits Unterricht im Hörsaal stattfindent und andererseits online über digitale Medien, zeichnet sich eine enorme Entwicklung ab.


Damit wird der Einsatz von E-Learning / Blended Learning zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor unter den Bildungsanbietern werden.

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Kreativität als Herausforderung

Permalink 07.07.11 13:27, von Conrad Lienhardt, Kategorien: dies & das, Medienpädagogik , Schlagworte: ashby's law, diversity, emergenz, instabilität, intelligente systeme, kreativität, prozessmusterwechsel, querdenken, systeme

Was Peter Kruse hier ausführt, ist insbesondere auch für die Lehre wertvoll. Daraus lassen sich etliche pädagogische und didaktische Gestaltungsansätze ableiten.

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Auf zwei Hochzeiten zugleich tanzen - Integriertes Distance Learning

Permalink 05.07.11 08:44, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning, Medienpädagogik , Schlagworte: adobe connect, intv3, outgoings

Wie kann es gelingen, bzw. kann es überhaupt gelingen, via Distance Learning Studierende, die über verschiedene Zeitzonen verstreut sind, in eine Präsenz-Lehrveranstaltung so einzubringen, dass für Sie ein vergleichbarer Nutzen gesichert werden kann und dies bei einem zumutbaren Aufwand, vergleichbar “bequem” und mit gleicher Qualität?

Wir - 32 Studierende, davon 10 im Ausland, und ich - haben es versucht. Über die zeitlichen und technischen Herausforderungen haben ich im letzten Blogpost “Meine Erfahrungen mit Adobe Connect — integriertes Distance Learning” schon geschrieben. Wichtig ist es vorauszuschicken, dass es sich nicht um eine „klassische” Vorlesung handelte, sondern um eine Laborübung, in der die Studierenden in Gruppen an ihren Workstations nach dem Motto „Hands on” mit diversen Aufgabenstellungen konfrontiert waren. Zum Aufbau und den Ergebnissen der Lehrveranstaltung habe ich eine kurze Video-Bilanz auf Vimeo veröffentlicht.

Kurzum; das Vorhaben war alles andere als einfach. Ein Vorlesung hätte man live übertragen, besser noch als Videocast zur Verfügung stellen können, ergänzt durch entsprechende Plattformen (z.B. Wiki) für Rückfragen und Feedbacks. Der Umstand allerdings, dass in dieser Lehrveranstaltung Gruppenarbeiten begleitet wurden, also ein Prozess des Lernens im Versuchen, Probieren, Überarbeiten, Verbessern und wieder Probieren usf., hätte jedes sog. „Broadcasting” zum Scheitern gebracht. Es ging letztlich um zeitnahe Unterstützungen und Interventionen während des Übens.

Entsprechend waren auch die Erfahrungen. Die anwesenden Studierenden konnten in Ihren Gruppenarbeiten direkt betreut werden. Die via Adobe Connect eingebundenen Studierenden mussten sich untereinander erst einmal über Gruppenarbeitsräume in Adobe Connect virtuell zusammensetzen und abstimmen. Dafür waren ganz andere Prozesse und Kompetenzen gefordert, als bei Abstimmungsprozessen innerhalb einer Gruppe sich gegenüber sitzenden TeilnehmerInnen. Die Lehrveranstaltung selbst bot allerdings keine Möglichkeiten und Gelegenheiten, diese Herausforderung zu begleiten und zu betreuen. Letztlich waren die Studierenden hier sich selbst und der eigenen Findigkeit und Selbstorganisation überlassen. Zugleich aber sollten sie mitverfolgen, was sich während der Lehrveranstaltung ereignete, welche allgemein relevanten Hinweise auch für sie selbst und ihre Gruppenaufgaben wichtig sein könnten.

Die Interaktion beschränkte sich wegen der zuletzt schon erwähnten Bandbreitenproblematik auf die in Adobe Connect intetrierte Chat-Funktion und einen gelegentlichen, asynchronen Austausch via Wiki und Twitter. Der Chat wurde von einem anwesenden Studierenden, dem auf Adobe Connect Veranstalter-Rechte eingeräumt wurden, moderiert. (Ohne seine Unterstützung wäre dies sicherlich deutlich weniger reibungsfrei verlaufen.) Er unterbrach mich während der Betreuung der anwesenden Gruppen, um auf Fragen und Anliegen der Externen hinzuweisen. Das hatte zur Folge, dass für die Anwesenden eine Art „Unterbrechung” angesagt war. (Während umgekehrt der sonstige Verlauf der Lehrveranstaltung für die Externen quasi ohne sie stattfand.) So wanderte meine Aufmerksamkeit und damit die Wahrnehmung gruppendynamischer Prozesse, was selbst wiederum entsprechende Dynamik verursachte.

Der großen Solidarität der Studierenden untereinander und einem hohen Maß gegenseitiger Rücksichtnahme und Toleranz diesem Setting gegenüber ist es zu danken, dass dennoch für alle Beteiligten die Lehrveranstaltung anregend und gewinnbringend (nützlich) war - das zeigt die anonyme Evaluation der Lehrveranstaltung. In anderer Konstellation hätte es auch durchaus gröbere Reibungen geben können.

Entsprechend gestaltete sich die Lehrveranstaltung - pragmatisch betrachtet - als eine Übung für die anwesenden Studierenden, der Externe live zugeschaltet waren und diese so verfolgen konnten. Grundsätzlich hätte die Betreuung der externen Studierenden über synchrone und asynchrone Medien eine weitgehend andere Didaktik notwendig gemacht.

Daher würde ich zusammenfassend den Versuch als aufschlussreich bezeichnen, als eine wichtige Etappe, um weiter Erfahrungen in der Betreuung von externen Studierenden im Rahmen einer gemeinsamen Lehrveranstaltung zu sammeln. Es wäre beim nächsten Mal sicherlich zielführend, für Externe eine Mischung aus synchronem, live Anteilnehmen und asynchroner Begleitung durch Videocasts zu organisieren. Das „Zuschalten” allein und eine technisch verheißene Option zur Teilnahme und Teilhabe in „Echtzeit” kann vorerst wohl nur als Provisorium dienen.

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Meine Erfahrungen mit Adobe Connect — integriertes Distance Learning

Permalink 12.05.11 10:39, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning , Schlagworte: adobe connect, distance learning

Sofern Studierende während Ihres Auslandssemesters die eine oder andere im Curriculum ihres Studiums vorgesehene Lehrveranstaltung nicht belegen können, weil diese beispielsweise an der Gasthochschule nicht angeboten wird oder belegt werden kann, wird ihnen die Teilnahme an der heimischen Lehrveranstaltung via Distance Learning ermöglicht.
Bei Vorlesungen ist das relativ einfach zu bewerkstelligen. Es können Skripte, PowerPoint Slides und Videocasts der Vorträge bereitgestellt werden, begleitet durch Twitter, Wikis oder Foren.

Die Herausforderung

Bei sogenannten LaborÜbungen und Lehrveranstaltungen mit starken Übungsanteilen kommen einige Herausforderungen hinzu, Hürden, die knifflig sind.
LaborÜbungen, wie ich sie in den vergangenen Jahren leiten durfte, zielen auf “Hands on". Studierende arbeiten in Gruppen eigenständig, weitgehend selbst-organisierend und eigenverantwortlich. Viel Arbeit geschieht an PCs, mit Programmen, Instrumenten und Tools, die im Rahmen von Internet & Marketing erprobt und eingesetzt werden sollten.

Im Laufe der letzten zwei, drei Jahre lernte ich, meine Rolle vom Advisor in Richtung Coach zu verlagern, also weniger den Fisch zu servieren, als vielmehr eine Angel zu reichen und ihren Einsatz zu erläutern. Diese Erläuterungen sind dabei offen angelegt und fordern zum eigenständigen Erproben, Erweitern und Testen heraus. Das macht einen hohen Anteil synchroner Kommunikation notwendig, um zeitnah und erreichbar an dem Punkt Unterstützung bieten zu können, an welchem diese notwendig ist.

Entsprechend ist es natürlich nicht einfach, Studierende, die sich über mehrere Zeitzonen verteilen (in diesem Semester auf Neuseeland, Thailand, Finnland, Schweden, Niederlande etc.) via Distance Learning in die Lehrveranstaltung so einzubeziehen, dass so etwas wie Teilhabe am Prozess möglich wird.

In diesem Sommersemester versuchte ich einige der kniffligen Hürden mit Hilfe von Adobe Connect, Wikis und Twitter zu nehmen. Adobe Connect ist das an der Hochschule eingesetzte Web-Konferenz System.

Die eher technische, operative Seite des Vorhabens

Mit Adobe Connect hatte ich Erfahrung, allerdings in einem ganz anderen Setting. Da konnte die Didaktik gänzlich auf Distance Learing abgestimmt werden. In diesem Fall gab 10 Studierende im Ausland, die gemeinsam mit Studierenden am heimischen Campus betreut werden sollten. Es galt nicht nur die technische Seite zu bewältigen, sondern auch einen didaktischen Mittelweg zu finden.

Zunächst musste geklärt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen eine Live-Übertragung (Streaming) der Lehrveranstaltung möglich ist und Sinn macht. Schnell zeigte sich, dass wegen der unterschiedlichen Verpflichtungen an den jeweiligen Hochschulen unter der Woche kein gemeinsamer Termin gefunden werden konnte. Daher entschied ich mich nach Rücksprache mit der Studiengangsleitung die 10 Vollzeit Studierenden mit den 21 berufsbegleitend Studierenden der parallelen Lehrveranstaltung zu betreuen. Die fünf Blockveranstaltungen à fünf Lehreinheiten wurden jeweils auf einen Samstag gelegt, mit Start um 08:30.

Vor jedem Beginn einer Lehrveranstaltung musste ich das Funkmikrophon und die Webcam anschließen und für Adobe Connect die entsprechenden Abstimmungen und Konfigurationen überprüfen. Daran schloss ein kurzer Medientest mit den Outgoings an, also den im Ausland Studierenden. Dank eines guten Supports der EDV Abteilung der Hochschule, die vorab das Setting konfiguriert hatte, war das ein überschaubarer Aufwand.

Für die Lehrveranstaltung wurde ein eigener “Meeting Room” auf Adobe Connect eingerichtet, in welchem wir uns frei bewegen konnten. Die URL für den Zugang wurde im Wiki hinterlegt und zusätzlich vor den ersten beiden Lehrblöcken auch per E-Mail verschickt. Die Meetings wurden bereits tags zuvor eröffnet, d.h. mit diesem Link konnten sich die Studierenden bereits tags zuvor einloggen und sich in einer für einige ungewohnten Umgebung umsehen und experimentieren. Vor allem bestand so die Möglichkeit, die Audio-Konfiguration für den eigenen PC vorab zu erledigen.
Eine spezielle Einführung in Adobe Connect gab es nicht. Learning by Doing war angesagt.

Adobe Connect Live Streaming INTV3
Layout von Adobe Connect für die LVA INTV3 im SS 2011

Technisch machten uns Bandbreitenschwankungen zu schaffen. Vor allem in Neuseeland war die Audioqualität öfters wohl strapaziös. Es ruckelte und stotterte die Übertragung mal, dann war die Qualität wieder ganz passabel. Direkt beeinflussen konnten wir mit unseren Möglichkeiten das nicht. Es hing teils auch davon ab, welche Verbindungen den Outgoings zur Verfügung standen; manchmal gab es nur ein eher schwaches WLAN, dann wieder eine gute LAN Verbindung. Die Outgoings waren in Bewegung - am Campus, im Studentenwohnheim, in einer Hotellobby usf. Wurde für einzelne die Übertragung zu abgehackt, dann versuchten sie das via Chat auszugleichen oder sie meldeten sich schließlich ab.

Die offenbar geringen Bandbreiten führten auch dazu, dass Bildschirmfreigaben der PCs von TeilnehmerInnen nicht wirklich funktionierten, nicht am Standort und nicht bei den Outgoings. Wir improvisierten: ich versuchte durch die Präsentationen zu steuern, je nach Anweisung der PräsentatorInnen. Das gelang soweit ganz gut. Improvisieren war häufiger angesagt — wie so oft, wenn Technik im Spiel ist ;-)

Unter diesen Umständen war es sicherlich streckenweise anstrengend - trotz Pausen - einer Videoübertragung fünf Lehreinheiten lang konzentriert zu folgen.
Daher ist die Bereitschaft der Studierenden fünf Samstag Vormittage damit zuzubringen und die Leistung, das Beste aus der Situation zu machen, sehr schätzenswert und Zeichen eines hohen Commitments.

Teil 2 des Beitrags zu den didaktischen Herausforderungen hoffe ich nächste Woche demnächst an dieser Stelle veröffentlichen zu können. Bis dahin; und sollte Ihnen etwas dazu einfallen: über Kommentare freue ich mich!

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Microblogging - Für Lehrveranstaltungen geeignet?

Permalink 04.05.11 14:12, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning, Neue Medien , Schlagworte: kommunikationskultur, microblogging, twitter

2008 haben Martin Ebner und ich im Rahmen einer Lehrveranstaltung (Neue Medien und Multi-Channel-Management im Master Studiengang Supply-Chain Management) erstmals einen Microblogging Dienst eingesetzt. Da wir von Anfang an planten, diesen Einsatz zu evaluieren entschieden wir uns, nicht Twitter zu nutzen, sondern Laconica (heute: StatusNet) auf einem Server der TU-Graz einzurichten. So konnten wir einen uneingeschränkten Zugriff auf die Datenbanken sicherstellen.

Die Ergebnisse haben wir unter dem Titel: “Microblogs in Higher Education – A chance to facilitate informal and process-oriented learning?” in Computers & Education, Vol. 55, No. 1. (August 2010) publiziert.

Microblogs in Higher Education – A chance to facilitate informal and process-oriented learning?

Quelle: Martin Ebner, Conrad Lienhardt, Matthias Rohs, Iris Meyer: Microblogs in Higher Education – A chance to facilitate informal and process-oriented learning? In: Computers & Education, Vol. 55, No. 1.

Diese Grafik zeigt, dass der Microblogging Dienst im Rahmen der Lehrveranstaltung von den Studierenden zu gut einem Drittel für privaten Small Talk genutzt wurde, was u.a. auch als Indiz für „informelles Lernen” gelten kann. Informelles Lernen findet bevorzugt dort statt, wo es Möglichkeiten zum zwanglosen Austausch gibt, zwischen den einzelnen Lehrveranstaltungen, aber auch während dieser, jedenfalls unabhängig vom Lehrenden, selbst organisiert und in freiem Austausch mit anderen zu selbst bestimmten Inhalten.

Erfahrungen mit Twitter

Seit 2009 nutze ich den Microblogging Dienst Twitter für zwei Lehrveranstaltungstypen - für Vorlesungen und Übungen. Meine Erfahrungen sind dabei sehr unterschiedlich. Großteils wird Microblogging als neuer Kommunikationskanal interessiert aufgenommen, neugierig und offen. Dann wieder gibt es Ablehnung noch bevor soweit Erfahrungen gemacht werden konnten, um diese begründen oder zumindest argumentieren zu können. Gerade bei jenen, die ihnen ungewohnte Kommunikationskanäle vorweg ablehnen, weil diese nicht mit ihren Gewohnheiten oder Vorstellungen übereinstimmen, stelle ich immer wieder fest, dass sie dabei zunächst auf sich selbst und die eigenen Befindlichkeiten Bezug nehmen. Sie lassen außer Acht, dass es professionelle Kommunikationskanäle sind, die Teil der Ausbildung und damit auch Teil eines künftigen Kompetenzprofils insbesondere im Online Marketing sind. Offenbar erleben einige die Kommunikation und die Wege der Aneignung des Lernstoffes als private Angelegenheit, also nicht zur Ausbildung gehörig. Sie sehen womöglich nicht (oder zu wenig), dass das Medium selbst Botschaft sein kann.

Peer Netzwerke und Kompentenzen

Microblogging hat sich auch in anderer Hinsicht bestens bewährt: Die Schwelle, Lehrenden via Twitter Fragen zu stellen, Meinungen einzuholen oder Feedbacks zu erbitten, ist deutlich niedriger, als beispielsweise via ILIAS Foren oder auch via E-Mail. E-Mails sind in diesem Setting nur noch sehr eingechränkt zulässig, bei vertraulichen Mitteilungen beispielsweise. Alles andere wird über Twitter und im MediaWiki abgewickelt. Da ist es mir auch möglich, von unterwegs kurzfristig zu antworten, was wiederum dem Arbeitsfluss seitens der Studierenden entgegenkommt.

Zudem stelle ich fest, dass sich dadurch ein gewisses Peer-Netzwerk installiert, d.h. dass sich Studierende untereinander Hilfestellung geben, über die ohnehin gegebenen Kleingruppen hinaus. Es kommt dabei immer wieder auch vor, dass Studierende früherer Semester sich einbringen, auch Fremde. Die Dynamik ist sehr vorteilhaft und erweitert die Lehrender-Studierende Dimension. Das ängstigt (und teilweise überfordert) immer wieder einzelne Studierende, die in klarer schulischer Rollenverteilung Sicherheit finden. Gerade sie haben häufiger den Eindruck, dass dadurch die Workload größer wird, wohl weil sie die veränderte Situation stärker beansprucht und eingefahrende Arbeitsroutinen in Frage stellt.

Microblogging wird, davon bin ich überzeugt, zunehmend im Lehrbetrieb Fuß fassen, zum Vorteil der Studierenden wie der Lehrenden.





Ein Literaturtipp zu Twitter:

Lienhardt, Conrad: Corporate Twitter. Ein Praxisbuch für Unternehmen, Norderstedt 2010.

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MediaWiki - Immer wieder eine Herausforderung

Permalink 27.04.11 11:31, von Conrad Lienhardt, Kategorien: e-learning, Neue Medien , Schlagworte: asynchrone kommunikation, kollaboration, mediawiki

Nahezu alle Studierenden nutzen Wikipedia als Informationsplattform. Dennoch ist MediaWiki, das Wikisystem von Wikipedia, unter ihnen immer noch weitgehend unbekannt. Diesen Eindruck gewann ich in den letzten Jahren, seit ich MediaWiki in meinen Lehrveranstaltungen nutze. Und daran hat sich kaum etwas geändert. Wer Wikipedia ausschließlich als Nachschlagewerk benutzt und — sei es auch nur der Neugierde halber — nie in den Bearbeitunsmodus wechselte, oder sich an Diskussionen zu einem Thema beteiligte, kam mit Kernfunktionen des MediaWiki auch nicht wirklich in Berührung.

MediaWikiWikipedia und MediaWiki

MediaWiki kommt für manche Studierende — durchaus nachvollziehbar — etwas zu „old-fashioned” daher, nicht nur was den ersten optischen Eindruck des Template anbelangt. Ein Eindruck, der sich bei vielen spätestens dann erhärtet, wenn sie erstmals einen Beitrag edieren oder neu verfassen: Es fehlt ihnen die komfortable Umgebung eines WYSIWYG Editors, der einem das Gefühl vermittelt, man wäre in der alt gewohnten Microsoft Umgebung. Zwar könnte man einen entsprechenden Editor als Extension ‘nachrüsten’, aber Wikipedia macht deutlich: Es ist offenbar nicht grundlos, dass die Formatierungen weitgehend ‘händisch’ gesetzt werden sollen. Darüber hinaus belegt Wikipedia, dass dieses von einzelnen als nahezu unüberwindliches Handicap erlebte Fehlen einer komfortablen Eingabe Millionen nicht daran gehindert hat, ihr Wissen in Wikipedia einzutragen.

Es ist sehr unterschiedlich, wie sich Studierende letztlich auf MediaWiki einlassen. In diesem Sommersemester überraschten mich Studierende mit einer bisher nicht, bzw. nicht so ausgeprägten Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen und damit zu arbeiten. Das hat mich schon beeindruckt. Und viele hatten den ‘Dreh’ sehr schnell heraus, entdeckten, dass sich gerade für sie als berufsbegleitende Studierende das Wiki hervorragend zur Zusammenarbeit eignet — auch wenn es im Rahmen der Lehrveranstaltung „Internet & Marketing” nicht primär darum geht, Wiki als kollaboratives Instrument eines Knowledgebase-Managements zu erarbeiten und zu optimieren. Es geht zunächst darum, zu erkennen und zu erleben, dass ein Wiki ein geeignetes Instrument ist, um einerseits asynchron an einem gemeinsamen Ergebnis zu arbeiten und das effektiv und effizient und andererseits das erarbeitete Wissen samt Historie zu sichern. Ein wichtiger Einstieg.

Auswertung und Bewertung kollaborativen Arbeitens im MediaWiki

Gar nicht so einfach ist es, kollaboratives Arbeiten im MediaWiki so zu beurteilen, dass Noten für Studierende nachvollziehbar sind. Selbstverständlich lässt sich über die Funktion Benutzerbeiträge aus „Spezialseiten” ein erster Eindruck gewinnen. Auch kann über die Versionsgeschichte einzelner Seiten ermittelt werden, wer wie viel dazu beigetragen hat. Das wird alles aber spätestens dann sehr aufwändig und zeitintensiv, wenn zahlreiche Seiten angelegt wurden, häufig Seiten editiert und gespeichert wurden und der Beurteilungszeitraum etliche Wochen umfasst. Da wird der Aufwand, der notwendig ist, um zu einer transparenten, nachprüfbaren Note zu kommen, bald unverhältnismäßig.
Durch entsprechende Routinen könnte die MySQL Datenbank entsprechend abgefragt werden, oder die Datenbank beispielsweise mit Hilfe von Tableau Public grafisch analysiert werden. Das führt auch zu übersichtlicheren Ergebnissen. Dennoch bilden diese Auswertung nur Aktivität ab, nicht jedoch kollaboratives Engagement.
Im vergangenen Semester bin ich nach einigen Recherchen auf WikLog gestoßen. Die Arbeitsweise von WikLog können Sie genauer im Beitrag von Gökhan Akcapinar und Petek Askar von der Haceteppe Universität in Ancara (Dept. of Computer Education and Instructional Technologies) nachlesen: “Measuring Author Contributions to the MediaWiki“. Die Semesterleistung einer Master Lehrveranstaltung hat dankenswerterweise Gökhan Akcapinar für mich ausgewertet. Dabei gab es überraschende Ergebnisse. So zeigte sich, dass bei einer Gruppenauswertung einzelne engagierte Studierende bei gleichzeitiger fehlender Beteiligung der anderen Gruppenmitglieder ebenfalls „schlecht” abschneiden – was durchaus nachvollziehbar ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit einer nachtraglichen Gewichtung. Das Phänomen ist aus Gruppen mit höherem Anteil an „TrittbrettfahrerInnen” bekannt. Im Wiki können diese bezogen auf die Gruppenarbeiten jedoch eindeutig identifiziert werden, was die Gruppenarbeit für den Lehrenden deutlich transparenter und nachvollziehbar macht.

Derzeit nutzen wir MediaWiki 1.15.5, PHP 5.3.2-1ubuntu4.7, MySQL 5.1.41-3ubuntu12.10. Der Zugang ist durch Verzeichnisschutz geschützt. Folgende Extensions sind installiert: Wikilog (Version 1.1.0), Cite (Version r37577), YouTube, WlFeed (Version 1.1.0).

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Worum geht's?

Überlegungen am Rande meiner Tätigkeit als Lektor im Studiengang Marketing und Electronic Business an der Fachhochschule Steyr.

Mein Twitter als Lektor: @mircoooo
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